
Geschichte reimt sich: LibreOffice steht vor Obsoleszenz
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Nachdem das einst dominante Office der freien Softwarewelt - OpenOffice - in die Hände der Apache Foundation geraten und dort sukzessive zu einer leeren Hülle verkommen war, die allein vom Namen lebte, droht ein vergleichbares Schicksal nun auch dem einst verheißungsvollen Nachfolger LibreOffice.
OpenOffice wurde einst der Apache Foundation anvertraut. Dort war man aber offenbar nicht an dem Projekt selbst interessiert, sondern nur an den potentiellen Verwertungsmöglichkeiten, welche die bekannte Marke OpenOffice verhieß. Folglich entwickelte sich OpenOffice - während die Entwickler zum Fork namens LibreOffice abwanderten - zu einer toten Hülle, die lediglich kosmetische Wartungsarbeiten vollzog und aufgrund zahlloser im Laufe der Jahre aufgerissenen Sicherheitslücken nicht nur stagnierte, sondern gar zu einem veritablen Sicherheitsrisiko wurde, vor dem regelmäßig gewarnt werden musste.
Geschichte reimt sich
Nun steht LibreOffice an einem ähnlichen Punkt: Anfang April dieses Jahres hat The Document Foundation (TDF) - eigentlich die Hüterin von LibreOffice - den Löwenanteil der Entwickler aus der Berliner Stiftung ausgeschlossen - mit Verweis auf einen laufenden Rechtsstreit mit Collabora, der kommerziellen Heimat des Gros der Entwickler. Dass ein solcher Aderlass langfristig das sichere Ende des Projektes bedeutet, ist eine Gewissheit, die bei TDF derzeit augenscheinlich ausgeblendet wird.
Stellen Sie sich nur einen Augenblick vor, der VW-Vorstand würde über Nacht wegen Meinungsverschiedenheiten mit selbigen die überwältigende Mehrheit der Ingenieure vor die Tür setzen. Sicher würde VW auf dem Papier noch eine Weile weiterexistieren. Doch die technische Expertise VWs wäre nach solch einer Entkernung nachhaltig und vermutlich unwiederbringlich verloren.
Vom Förderer zum Verwerter?
Die Statements seitens TDF und Collabora könnten sich unterschiedlicher freilich nicht lesen. Nichtsdestotrotz drängt sich der Eindruck auf, dass das zugrundeliegende "Produkt" der TDF bei selbiger zumindest ein Stück weit aus dem Fokus geraten ist - schließlich entlässt man für gewöhnlich nicht gleich fast das gesamte Ingenieursteam. So oder so ist das Ergebnis verheerend: Die Entwickler wurden brüskiert und sind futsch. Erschwerend hinzu kommt, dass LibreOffice mit VCL (Visual Class Library) ein uraltes Framework verwendet. Das ist ein bisschen so, als wollte man heutzutage noch Experten für Turbo Pascal oder Basic auftreiben.
Fazit
Freilich sind die Entwicklungen einst um OpenOffice und nun um LibreOffice nicht 1:1 vergleichbar. Aber gewisse Gleichklänge sind schon zu vernehmen: Wo einmal das Gut selbst im Mittelpunkt stand, steht am Ende einer ungesunden Entwicklung die Verwertung der "Assets" wie etwa Markenrechte im Fokus und wird zum Zankapfel.
Offenbar ist die typisch menschliche Fehlannahme, dass die Evolution eines Projektes mit dem Vorrücken gewisser Akteuere in gewisse Positionen ihren Höhepunkt erreicht hat, nicht totzukriegen - schließlich weiß man selbst immer am besten, was das beste ist.
Altgediente FOSS-Veteranen vermag dieser Sturm im Wasserglas indes nicht aufzuschrecken. Denn die Open-Source-Gemeinschaft ist gleichsam der ominöse Markt, von dem die schwindsüchtigen Liberalen dieser Welt immer fabuliert haben: Das Projekt wird geforkt und die Reise geht woanders weiter. Distributionen werden auf den Fork umschwenken und so weiter und so fort.
Anders formuliert: Der Markt wirds schon regeln.
Ein Kommentar von Christian Spaan














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