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Office-Drama: LibreOffice weiter auf Schmollkurs

Heute meldete sich erneut die Document Foundation zu Wort, um die ihrer Meinung nach unfaire Berichterstattung rund um Euro-Office zu beweinen. Offenbar sieht die mittlerweile auf Monetarisierung geeichte Document Foundation ihre Felle davonschwimmen.

Das Office-Drama ist erneut um eine Episode reicher. Heute wandte sich die Document Foundation mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit.
Der Anlass: Verschiedene ungenannte Artikel hätten das in Entstehung begriffene Euro-Office unverschämterweise als erstes in Europa entwickelte Open-Source-Office-Paket bezeichnet - Blasphemie! Schließlich wurde StarOffice - der Urahn von OpenOffice und LibreOffice - in Deutschland und somit im Herzen Europas entwickelt.

In den letzten Tagen sind Ihnen sicherlich verschiedene Artikel aufgefallen, in denen die Einführung von Euro-Office angekündigt wurde, das als erste in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suite „vermarktet“ wird. Wir sehen uns gezwungen – wenn auch widerwillig, da Open Source auf Transparenz beruhen sollte und nicht auf Täuschung –, diese Behauptung zu korrigieren. Die erste in Europa entwickelte Open-Source-Office-Suite war OpenOffice.org im Jahr 2001, basierend auf dem Quellcode von StarOffice, gefolgt von LibreOffice ab 2010.

Sonstiger Inhalt: ODF ist das einzig wahre Format und der Grundpfeiler Digitaler Souveränität (sic). Außerdem sei das von Microsoft entwickelte OOXML-Format der Standard bei Euro-Office und deren Schöpfer seien somit Handlanger und de facto Verbündete von Redmonds Ruchlosen Rabauken:

Euro-Office verwendet standardmäßig das vollständig proprietäre OOXML-Dokumentformat, das ausschließlich von Microsoft entwickelt und kontrolliert wird. Damit wird es zu einem de facto-Verbündeten von Microsoft bei dessen Strategie der Inhaltsbindung, wobei die Kontrolle fest in Redmond und weit entfernt von Europa verbleibt.

Bei aller Liebe liebe Document Foundation, das ist hanebüchen. Ein Dateiformat (ODF) als Grundpfeiler (engl. pillar) Digitaler Souveränität zu bezeichnen, ist bereits sportlich. Schließlich wären da auch noch .deb, .rpm, zip, gzip, pdf und viele mehr.
Darüber hinaus ist OOXML das "Standardformat", da das zugrundeliegende OnlyOffice nun einmal mit selbigem daherkommt. Was die Document Foundation geflissentlich verschweigt, ist die Tatsache, dass Euro-Office die nachträgliche Integration des freien ODF-Formats bereits angekündigt hat, wodurch der Vorwurf ins Leere läuft.

Für eine wirklich souveräne Lösung ist es zudem wichtig, offene Standards wie ODF-Formate vollständig zu unterstützen. Dies wird bei der nächsten Version ganz oben auf der Agenda stehen.

Frank Karlitschek | Nextcloud / Euro-Office

Ferner lässt sich selbiges auch auf der Github-Präsenz von Euro-Office nachlesen:

Work with DOCX, PPTX, XLSX, PDF, ODT, ODS, ODP, TXT and many other file formats

Zu allem Überfluss lässt sich die (durchgedrehte?) Document Foundation allen Ernstes dazu verleiten, sich selbst den Verdienst der Digitalen Souveränität in Europa als Ganzes zuzusprechen:

Wenn wir heute in Europa von digitaler Souveränität sprechen können, dann verdanken wir dies der Document Foundation und den Mitgliedern der LibreOffice-Community insgesamt.

Als würden Linux, KDE, GNOME, Android und FOSS im Allgemeinen gar nicht existieren. Oder als würde ein souveräner Arbeitsplatz nur aus einer Office-Appliance bestehen 🤨.

Auffällig ist auch der durchweg aggressive Unterton, der dieser Meldung zugrunde liegt: deception, freeware clone of MS Office, pure opportunism, companies that claim to advocate open source, such as those promoting Euro-Office, de facto ally of Microsoft und against the freedom of European users sind nur einige der spannenden Aussagen der Document Foundation, die es mit Vorsicht zu genießen gilt.

Fazit

Offenbar fürchtet man bei der Document Foundation um seine Fründe, nun da mit Euro-Office neben dem Angebot von Collabora (Collabora Office) ein zweites Office-Paket mit modernem und onlinefähigem Code auf Basis von OnlyOffice am Horizont erschienen ist - und dies obwohl LibreOffice Online (LOOL) von der Document Foundation nicht nur stiefmütterlich behandelt, sondern für lange Zeit sogar eingestellt worden war - nur um es aus Trotz und Konkurrenz zu Collabora Online (COOL) zu reanimieren - und die Arbeit im Wesentlichen der Community zu überlassen.

Liebe Freunde von der Document Foundation, wie wäre es mal mit Erwachsenwerden?

Ein Kommentar von Christian Spaan

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